UniFi · UniFi OS Server · Debian 13

UniFi auf eigenen Server migrieren – UniFi OS Server unter Debian

Wer UniFi bisher auf einem Cloud Key, einem klassischen UniFi Network Server oder bei einem anderen Hoster betreibt, kann UniFi Network auf einen eigenen Server umziehen. Diese Anleitung zeigt die Installation von UniFi OS Server unter Debian, die Vorteile des neuen Aufbaus und den Weg der Migration.

UNIFI OS SERVER
● Neuer Standard
Debian
ab 13
Podman
ab 4.9.3
RAM
ab 2 GB
UniFi Network ✓ enthalten
Site Manager ✓ kompatibel
Organizations ✓ verfügbar
Lizenz ✓ kostenlos

Vorbereiten → Installieren → Migrieren → Prüfen

Debian 13 oder neuer
Podman ab 4.9.3
Lizenzfrei
Zentral über Site Manager
Migration per Backup oder Site Export

ÜBERBLICK

Warum UniFi OS Server?

Ubiquiti bezeichnet UniFi OS Server als neuen Standard für das Self-Hosting und hat damit den klassischen UniFi Network Server als bevorzugte Lösung abgelöst. Stand: 20. September 2026.

Mehr als der alte Network Server

Der klassische Network Server stellte im Kern die Network Application bereit. UniFi OS Server bringt zusätzlich Funktionen der UniFi-Plattform mit, darunter Organizations, Identity-Provider-Integration und Site Magic SD-WAN.

Mehrere Standorte zentral

Im UniFi Site Manager lassen sich mehrere Installationen über eine Oberfläche verwalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Standort über Cloud Key, UniFi OS Server oder eine andere unterstützte UniFi Console läuft.

Verwaltung von außen

Mit einem UI Account lässt sich der Server über den Site Manager auch außerhalb des lokalen Netzwerks verwalten. Er kann im eigenen Serverraum, im Rechenzentrum oder bei einem Hoster stehen.

Updates zentral verwalten

Der Update Manager im Site Manager zeigt verfügbare Updates aller eigenen Installationen an. Auto-Updates und Release Channel stellt man unter Settings → Control Plane → Updates ein.

Lizenzfrei

Nach Angaben von Ubiquiti ist UniFi OS Server vollständig lizenzfrei und für alle UniFi-Nutzer verfügbar. Kosten entstehen nur für Server oder VM und den Betrieb.

Kein gewöhnlicher Container

UniFi OS Server ist eine Komplettlösung. Einige Dienste für Geräteerkennung, Adoption und automatische Updates laufen direkt auf dem Linux-Host, deshalb gibt es keinen einfachen Docker- oder Podman-Container.

AUFBAU

So sieht ein typischer Aufbau aus

Der Server kann im eigenen Netzwerk oder extern stehen. Drei typische Varianten:

Ein Standort

Debian/KVM
→ UniFi OS Server
→ UniFi Network
→ Switches und Access Points

Mit UniFi Protect

Cloud Key (zum Beispiel Gen2 Plus)
→ UniFi Protect
→ Kameras

Der vorhandene Cloud Key muss dafür nicht ersetzt werden.

Mehrere Standorte

Standort A: UniFi OS Server
Standort B: UniFi OS Server
Standort C: Cloud Gateway
→ zentral im Site Manager, sofern die Berechtigungen vorhanden sind.

GRENZEN

Was UniFi OS Server nicht ersetzt

UniFi OS Server dient dem Self-Hosting von UniFi Network. Bevor ein Cloud Key oder Gateway abgeschaltet wird, sollte man diese Punkte kennen:

Protect, Access, Talk, Connect

Diese Anwendungen lassen sich nicht auf UniFi OS Server hosten. Sie benötigen weiterhin eine kompatible UniFi Console.

Cloud Key

Ein Cloud Key kann Protect und weitere Anwendungen weiter betreiben. Die Network-Geräte kann er parallel zu einem UniFi OS Server nicht verwalten, denn beide enthalten die Network Application und ein Gerät kann nur einen Host haben.

Cloud Gateways

UDM, UCG und Fortress Gateway haben die Network Application eingebaut und lassen sich nicht von einem UniFi OS Server verwalten. Passend sind unabhängige Gateways der UXG-Serie.

VORAUSSETZUNGEN

Das braucht der Server

Für den Start reichen laut Ubiquiti geringe Ressourcen. Für eine produktive Umgebung sollte man aber nicht direkt mit den absoluten Mindestwerten arbeiten.

Betriebssystem

Debian 13 oder neuer, Ubuntu 24.04 oder neuer (oder eine andere moderne Distribution) mit x86-64, systemd und libc 2.31 oder neuer.

Podman

Podman ab 4.9.3 (mit pasta-Networking) und slirp4netns ab 1.2. Beide Pakete lassen sich per apt installieren.

Hardware laut Ubiquiti

x86-64-Prozessor, mindestens 2 GB RAM, mindestens 10 GB freier Speicher und 100-Mbit/s-Ethernet.

Unsere Empfehlung

KVM-VM mit 2 vCPU, 4 GB RAM, 32 GB SSD und 1 Gbit/s. Bei größeren Umgebungen entsprechend größer dimensionieren.

CPU
2 vCPU
RAM
4 GB
Speicher
32 GB SSD
Netzwerk
1 Gbit/s
Betriebssystem
Debian 13 Minimal (ohne Desktop-Umgebung)
Virtualisierung
KVM

KVM oder LXC?

Für eine neue Installation bevorzugen wir KVM. Eine eigene VM trennt UniFi OS Server sauber vom Host und macht Wartung, Backups und spätere Änderungen übersichtlich. Aus der Ubiquiti-Community gibt es außerdem Berichte, dass sich UniFi OS Server wegen des Installers nicht in einem LXC-Container installieren lässt.

Der Server sollte per SSH erreichbar sein und eine feste interne IP-Adresse besitzen. In dieser Anleitung verwenden wir als Beispiel 192.168.10.10.

VM nicht klonen

Ubiquiti empfiehlt, VMs nicht zu klonen (Ausnahme: Hochverfügbarkeit oder Failover). Geklonte VMs verwenden dieselben Remote-Zugriffstoken für den Site Manager, was zu unerwartetem Verhalten führt. Jede Installation sollte deshalb neu aufgesetzt werden.

INSTALLATION

UniFi OS Server unter Debian installieren

Als Beispieladresse verwenden wir 192.168.10.10. Sie muss durch die tatsächliche IP-Adresse des eigenen Servers ersetzt werden.

1. Debian vorbereiten

Das System zuerst aktualisieren, dann die von Ubiquiti genannten Pakete installieren und die Podman-Version prüfen:

sudo apt update
sudo apt upgrade -y
sudo apt install -y podman slirp4netns
podman --version

Podman sollte mindestens in Version 4.9.3 vorliegen.

2. Installer herunterladen

Den Installer immer direkt von Ubiquiti beziehen. Auf der UniFi-Download-Seite den UniFi OS Server für Linux auswählen, die Link-Adresse kopieren und auf dem Server herunterladen:

wget <DOWNLOAD-LINK>

Den Platzhalter <DOWNLOAD-LINK> durch den aktuellen Link ersetzen.

3. Installer ausführen

Die Datei ausführbar machen und den Installer starten:

chmod +x <DATEINAME>
sudo ./<DATEINAME>

Am Ende nennt der Installer die Adresse, unter der UniFi OS Server läuft. Ob der Dienst läuft, lässt sich so prüfen:

sudo systemctl status uosserver

Läuft auf derselben Maschine noch ein alter UniFi Network Server, muss er vor der Installation geschlossen werden.

4. Weboberfläche öffnen

Die Adresse steht im Installer; sie lautet üblicherweise https://<IP>:11443. Bei unserer Beispielkonfiguration:

https://192.168.10.10:11443

Beim ersten Aufruf zeigt der Browser eine Zertifikatswarnung, denn der Server verwendet zunächst ein selbstsigniertes Zertifikat. Ein eigenes Zertifikat lässt sich unter Settings → Control Plane → Console → Certificates hochladen. Danach die Grundkonfiguration durchlaufen. Für den Zugriff über den Site Manager anschließend einen UI Account anlegen oder verbinden (Remote Management).

5. UniFi Network einrichten

Nach der Grundkonfiguration steht die UniFi Network Application auf dem neuen Server bereit. Vor der Migration sollte die neue Installation vollständig eingerichtet und auf aktuellem Stand sein. Der Server muss danach dauerhaft laufen: Ist er offline, arbeiten die Geräte mit der letzten verfügbaren Konfiguration weiter.

Nützliche Befehle

Dienst stoppen, starten und den Autostart beim Systemstart steuern:

sudo systemctl stop uosserver
sudo systemctl start uosserver
sudo systemctl disable uosserver
sudo systemctl enable uosserver

MIGRATION

Bestehende Umgebung migrieren

Ziel: Die vorhandene Network-Konfiguration liegt anschließend auf dem neuen UniFi OS Server, und die UniFi-Geräte verwenden ihn als Network Host. Welcher Weg passt, hängt vom Ausgangssystem ab.

1

Network-Backup (.unf)

Für einen selbst gehosteten UniFi Network Server. Das Backup wird auf dem neuen Server wiederhergestellt.

2

Layer-3-Adoption

Für Geräte, die per DNS, DHCP Option 43 oder Layer-3-Befehl adoptiert wurden, etwa über VLANs oder das Internet.

3

Site Export

Für Sites von Cloud Key, Official UniFi Hosting oder einem UniFi OS Server mit Multi-Site-Verwaltung. Ubiquiti nennt ihn außerdem als manuellen Weg unter Linux.

Vorher: Vorbereitung und Backup

  • Die neue Network Application auf den aktuellen Stand bringen.
  • Ein Backup der bisherigen Installation erstellen (Network-Backup oder Site Export).
  • SSH-Benutzername und Passwort der Geräte notieren (Devices → Device Updates & Settings → Device SSH Settings), falls sich ein Gerät später nicht verbindet.
  • Alle anderen UniFi-Geräte bleiben zunächst wie bisher verbunden.

Methode 1: Network-Backup (.unf)

  1. In der alten Installation das Network-Backup (.unf) unter Settings → Control Plane → Backups herunterladen.
  2. UniFi OS Server fertig einrichten, die Geräte bleiben dabei verbunden.
  3. Das Backup auf dem neuen Server unter Settings → Control Plane → Backups einspielen.
  4. Warten, bis alle Geräte online sind. Danach die alte Installation herunterfahren oder die Geräte dort mit „Forget“ entfernen, damit sie sich nicht erneut verbinden.
  5. Erscheint ein Gerät offline oder als „Managed by Another Console“, zuerst die Layer-3-Adoption versuchen.

Methode 2: Layer-3-Adoption

  1. Backup wie bei Methode 1 erstellen und auf dem neuen Server wiederherstellen.
  2. In der ursprünglichen Network Application den Schalter „Override Inform Host“ aktivieren und die IP-Adresse des neuen Servers eintragen.
  3. Warten, bis alle Geräte in der neuen Installation online sind, dann die Geräte in der alten Installation mit „Forget“ entfernen und diese herunterfahren.

Alternativ lässt sich der Inform-Host pro Gerät per SSH setzen. Die IP-Adresse ist wieder unsere Beispieladresse:

set-inform http://192.168.10.10:8080/inform

Methode 3: Site Export

  1. In der bisherigen Installation unter Network Settings → System → Site Management auf „Export Site“ klicken und die Site-Datei herunterladen.
  2. In der neuen Network Application im Site Switcher „Import Site“ wählen und die Datei hochladen. Ist der Site Switcher nicht sichtbar, zuerst „Multi-Site Management“ unter Settings → System → Site Management aktivieren.
  3. Im geführten Assistenten der alten Installation die Geräte auswählen und die Inform-URL (IP-Adresse des neuen Servers) eintragen.
  4. Die migrierten Geräte in der alten Installation mit „Forget“ entfernen und warten, bis alle online sind.

Wenn ein Gerät nicht online kommt

Nicht direkt einen Factory Reset durchführen. Zuerst Netzwerkverbindung, Inform-Adresse, DNS und Firewall prüfen und die Layer-3-Adoption versuchen. Erst wenn das scheitert, ist ein Zurücksetzen und erneutes Adoptieren des Geräts nötig.

NACH DER MIGRATION

Alles gründlich prüfen

Dass alle Geräte „Online“ anzeigen, reicht nicht. Diese Punkte sollten getestet sein, bevor der alte Host abgeschaltet wird:

Geräte online: Access Points, Switches, Gateways und weitere Network-Geräte
WLAN: alle SSIDs vorhanden, Internet und interne Ressourcen erreichbar
Netzwerke und VLANs übernommen, Trennung funktioniert
Switches: Port-Konfiguration und VLAN-Zuweisungen stimmen
Firewall: vorhandene Regeln funktionieren wie erwartet
VPN und Routing getestet
UniFi Protect (auf anderer Console): Kameras, Aufzeichnungen und Oberfläche
Release Channel und Firmware-Stände geprüft
Alte Geräteeinträge erst danach mit „Forget“ entfernen
Alten Network Server erst abschalten, wenn alles läuft

NETZWERK & FIREWALL

Extern betreiben – und Ports beachten

Der Server muss nicht im selben Netzwerk wie die verwalteten Geräte stehen und kann auch im Rechenzentrum oder bei einem Hoster laufen. Dann sollten Netzwerkverbindung, Firewall-Regeln und Erreichbarkeit vor der Migration sorgfältig geplant werden. Für Geräte in anderen Netzen ist Layer-3-Adoption nötig.

TCP 8080
Kommunikation mit UniFi-Geräten und Anwendungen (Inform)
UDP 3478
STUN für Geräte-Adoption und Kommunikation
TCP 11443
Weboberfläche von UniFi OS Server (Adresse nennt der Installer)
TCP 443
Remote Access und Zugriff auf die Weboberfläche
TCP 8883
Remote Access (ausgehend)
TCP 8444
Secure Portal für den Hotspot (beim Network Server war es Port 8843)
UDP 53 und 123
DNS und NTP, unter anderem für Updates und sichere Verbindungen

Die vollständige Liste steht in der Required Ports Reference von Ubiquiti. Bei einer einfachen Installation im gleichen internen Netzwerk ist die Einrichtung entsprechend unkomplizierter.

UPDATES

Updates und Release Channel

Zentral im Site Manager

Der Update Manager zeigt Updates aller Installationen an. Größere Umgebungen sollten Updates trotzdem kontrolliert und mit Blick auf die Release Notes einspielen. Alternativ geht es direkt über die lokalen Control-Plane-Einstellungen.

Release Channel

Es gibt den offiziellen Kanal und Early Access. Vor der Migration prüfen, welchen Kanal die bestehende Umgebung nutzt, und den neuen Server passend einstellen: Settings → Control Plane → Updates.

Firmware prüfen

Immer kontrollieren, welche Geräte-Firmware tatsächlich angeboten wird. Ein niedrigerer Versionsstand ist kein normales Upgrade und sollte nicht ohne vorherige Prüfung installiert werden.

FAZIT

UniFi OS Server ist mehr als ein neuer Name

Wer UniFi Network selbst hosten möchte, bekommt eine deutlich stärker in das aktuelle UniFi-Ökosystem integrierte Plattform: mit Site Manager, Remote Management, Multi-Site-Verwaltung und zentraler Update-Verwaltung. Der Server muss dabei nicht am jeweiligen Standort stehen. Er kann zum Beispiel als KVM-VM im Rechenzentrum oder bei einem Hoster laufen.

Für eine kleine bis mittlere Umgebung reicht als Basis eine KVM-VM mit Debian 13, 2 vCPU, 4 GB RAM und 32 GB SSD. Wer bereits eine UniFi-Umgebung besitzt, muss nicht von vorne beginnen: Je nach Ausgangssystem wird die Konfiguration per Network-Backup oder Site Export übernommen, anschließend stellt man die Geräte auf den neuen Network Host um. UniFi Protect kann parallel auf einem vorhandenen Cloud Key weiterlaufen.

FAQ

Häufige Fragen zu UniFi OS Server

Ubiquiti nennt ihn den neuen Standard für das Self-Hosting von UniFi. Er löst den klassischen UniFi Network Server ab und bringt Funktionen wie Organizations, Identity-Provider-Integration und Site Magic SD-WAN mit.
Nach Angaben von Ubiquiti nichts: Er ist lizenzfrei und für alle UniFi-Nutzer verfügbar. Kosten entstehen nur für Server oder VM und den Betrieb.
Debian 13 oder neuer. Alternativ werden Ubuntu 24.04 oder neuer und andere moderne Distributionen mit systemd, Podman ab 4.9.3 und slirp4netns ab 1.2 unterstützt.
Nein. Ubiquiti beschreibt UniFi OS Server als Komplettlösung, die bestimmte Dienste auf dem Host benötigt, etwa für Geräteerkennung, Adoption und automatische Updates. Die Installation erfolgt per Installer, intern kommt Podman zum Einsatz.
Nein. Protect, Access, Talk und Connect benötigen weiterhin eine kompatible UniFi Console, zum Beispiel einen Cloud Key.
Nein. Cloud Gateways enthalten die Network Application bereits. Passend sind unabhängige Gateways der UXG-Serie oder andere Gateways.
Der Installer nennt die Adresse am Ende der Installation. Üblicherweise lautet sie https://<IP-Adresse>:11443.
Wir empfehlen KVM. In der Ubiquiti-Community wird berichtet, dass sich UniFi OS Server wegen des Installers nicht in einem LXC-Container installieren lässt.
Ja. Um Geräte anzuzeigen und zu verwalten, muss UniFi OS Server durchgehend laufen. Ist er offline, arbeiten die Geräte mit der letzten verfügbaren Konfiguration weiter.
In der Regel nicht. Nach Backup-Wiederherstellung oder Site Export übernehmen die Geräte den neuen Host. Erscheint ein Gerät offline oder als „Managed by Another Console“, zuerst die Layer-3-Adoption versuchen. Erst danach zurücksetzen und neu adoptieren.
Ubiquiti rät davon ab, außer für Hochverfügbarkeit oder Failover. Geklonte VMs verwenden dieselben Remote-Zugriffstoken für den Site Manager, was zu unerwartetem Verhalten führt.
Unter anderem TCP 443 und TCP 8883 (ausgehend) sowie UDP 3478 für STUN. Die vollständige Liste steht in der Required Ports Reference von Ubiquiti.

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