UniFi auf eigenen Server migrieren – UniFi OS Server unter Debian
Wer UniFi bisher auf einem Cloud Key, einem klassischen UniFi Network Server oder bei einem anderen Hoster betreibt, kann UniFi Network auf einen eigenen Server umziehen. Diese Anleitung zeigt die Installation von UniFi OS Server unter Debian, die Vorteile des neuen Aufbaus und den Weg der Migration.
Vorbereiten → Installieren → Migrieren → Prüfen
ÜBERBLICK
Warum UniFi OS Server?
Ubiquiti bezeichnet UniFi OS Server als neuen Standard für das Self-Hosting und hat damit den klassischen UniFi Network Server als bevorzugte Lösung abgelöst. Stand: 20. September 2026.
Mehr als der alte Network Server
Der klassische Network Server stellte im Kern die Network Application bereit. UniFi OS Server bringt zusätzlich Funktionen der UniFi-Plattform mit, darunter Organizations, Identity-Provider-Integration und Site Magic SD-WAN.
Mehrere Standorte zentral
Im UniFi Site Manager lassen sich mehrere Installationen über eine Oberfläche verwalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Standort über Cloud Key, UniFi OS Server oder eine andere unterstützte UniFi Console läuft.
Verwaltung von außen
Mit einem UI Account lässt sich der Server über den Site Manager auch außerhalb des lokalen Netzwerks verwalten. Er kann im eigenen Serverraum, im Rechenzentrum oder bei einem Hoster stehen.
Updates zentral verwalten
Der Update Manager im Site Manager zeigt verfügbare Updates aller eigenen Installationen an. Auto-Updates und Release Channel stellt man unter Settings → Control Plane → Updates ein.
Lizenzfrei
Nach Angaben von Ubiquiti ist UniFi OS Server vollständig lizenzfrei und für alle UniFi-Nutzer verfügbar. Kosten entstehen nur für Server oder VM und den Betrieb.
Kein gewöhnlicher Container
UniFi OS Server ist eine Komplettlösung. Einige Dienste für Geräteerkennung, Adoption und automatische Updates laufen direkt auf dem Linux-Host, deshalb gibt es keinen einfachen Docker- oder Podman-Container.
AUFBAU
So sieht ein typischer Aufbau aus
Der Server kann im eigenen Netzwerk oder extern stehen. Drei typische Varianten:
Ein Standort
Debian/KVM
→ UniFi OS Server
→ UniFi Network
→ Switches und Access Points
Mit UniFi Protect
Cloud Key (zum Beispiel Gen2 Plus)
→ UniFi Protect
→ Kameras
Der vorhandene Cloud Key muss dafür nicht ersetzt werden.
Mehrere Standorte
Standort A: UniFi OS Server
Standort B: UniFi OS Server
Standort C: Cloud Gateway
→ zentral im Site Manager, sofern die Berechtigungen vorhanden sind.
GRENZEN
Was UniFi OS Server nicht ersetzt
UniFi OS Server dient dem Self-Hosting von UniFi Network. Bevor ein Cloud Key oder Gateway abgeschaltet wird, sollte man diese Punkte kennen:
Protect, Access, Talk, Connect
Diese Anwendungen lassen sich nicht auf UniFi OS Server hosten. Sie benötigen weiterhin eine kompatible UniFi Console.
Cloud Key
Ein Cloud Key kann Protect und weitere Anwendungen weiter betreiben. Die Network-Geräte kann er parallel zu einem UniFi OS Server nicht verwalten, denn beide enthalten die Network Application und ein Gerät kann nur einen Host haben.
Cloud Gateways
UDM, UCG und Fortress Gateway haben die Network Application eingebaut und lassen sich nicht von einem UniFi OS Server verwalten. Passend sind unabhängige Gateways der UXG-Serie.
VORAUSSETZUNGEN
Das braucht der Server
Für den Start reichen laut Ubiquiti geringe Ressourcen. Für eine produktive Umgebung sollte man aber nicht direkt mit den absoluten Mindestwerten arbeiten.
Betriebssystem
Debian 13 oder neuer, Ubuntu 24.04 oder neuer (oder eine andere moderne Distribution) mit x86-64, systemd und libc 2.31 oder neuer.
Podman
Podman ab 4.9.3 (mit pasta-Networking) und slirp4netns ab 1.2. Beide Pakete lassen sich per apt installieren.
Hardware laut Ubiquiti
x86-64-Prozessor, mindestens 2 GB RAM, mindestens 10 GB freier Speicher und 100-Mbit/s-Ethernet.
Unsere Empfehlung
KVM-VM mit 2 vCPU, 4 GB RAM, 32 GB SSD und 1 Gbit/s. Bei größeren Umgebungen entsprechend größer dimensionieren.
KVM oder LXC?
Für eine neue Installation bevorzugen wir KVM. Eine eigene VM trennt UniFi OS Server sauber vom Host und macht Wartung, Backups und spätere Änderungen übersichtlich. Aus der Ubiquiti-Community gibt es außerdem Berichte, dass sich UniFi OS Server wegen des Installers nicht in einem LXC-Container installieren lässt.
Der Server sollte per SSH erreichbar sein und eine feste interne IP-Adresse besitzen. In dieser Anleitung verwenden wir als Beispiel 192.168.10.10.
VM nicht klonen
Ubiquiti empfiehlt, VMs nicht zu klonen (Ausnahme: Hochverfügbarkeit oder Failover). Geklonte VMs verwenden dieselben Remote-Zugriffstoken für den Site Manager, was zu unerwartetem Verhalten führt. Jede Installation sollte deshalb neu aufgesetzt werden.
INSTALLATION
UniFi OS Server unter Debian installieren
Als Beispieladresse verwenden wir 192.168.10.10. Sie muss durch die tatsächliche IP-Adresse des eigenen Servers ersetzt werden.
1. Debian vorbereiten
Das System zuerst aktualisieren, dann die von Ubiquiti genannten Pakete installieren und die Podman-Version prüfen:
sudo apt update
sudo apt upgrade -y
sudo apt install -y podman slirp4netns
podman --versionPodman sollte mindestens in Version 4.9.3 vorliegen.
2. Installer herunterladen
Den Installer immer direkt von Ubiquiti beziehen. Auf der UniFi-Download-Seite den UniFi OS Server für Linux auswählen, die Link-Adresse kopieren und auf dem Server herunterladen:
wget <DOWNLOAD-LINK>Den Platzhalter <DOWNLOAD-LINK> durch den aktuellen Link ersetzen.
3. Installer ausführen
Die Datei ausführbar machen und den Installer starten:
chmod +x <DATEINAME>
sudo ./<DATEINAME>Am Ende nennt der Installer die Adresse, unter der UniFi OS Server läuft. Ob der Dienst läuft, lässt sich so prüfen:
sudo systemctl status uosserverLäuft auf derselben Maschine noch ein alter UniFi Network Server, muss er vor der Installation geschlossen werden.
4. Weboberfläche öffnen
Die Adresse steht im Installer; sie lautet üblicherweise https://<IP>:11443. Bei unserer Beispielkonfiguration:
https://192.168.10.10:11443Beim ersten Aufruf zeigt der Browser eine Zertifikatswarnung, denn der Server verwendet zunächst ein selbstsigniertes Zertifikat. Ein eigenes Zertifikat lässt sich unter Settings → Control Plane → Console → Certificates hochladen. Danach die Grundkonfiguration durchlaufen. Für den Zugriff über den Site Manager anschließend einen UI Account anlegen oder verbinden (Remote Management).
5. UniFi Network einrichten
Nach der Grundkonfiguration steht die UniFi Network Application auf dem neuen Server bereit. Vor der Migration sollte die neue Installation vollständig eingerichtet und auf aktuellem Stand sein. Der Server muss danach dauerhaft laufen: Ist er offline, arbeiten die Geräte mit der letzten verfügbaren Konfiguration weiter.
Nützliche Befehle
Dienst stoppen, starten und den Autostart beim Systemstart steuern:
sudo systemctl stop uosserver
sudo systemctl start uosserver
sudo systemctl disable uosserver
sudo systemctl enable uosserver MIGRATION
Bestehende Umgebung migrieren
Ziel: Die vorhandene Network-Konfiguration liegt anschließend auf dem neuen UniFi OS Server, und die UniFi-Geräte verwenden ihn als Network Host. Welcher Weg passt, hängt vom Ausgangssystem ab.
Network-Backup (.unf)
Für einen selbst gehosteten UniFi Network Server. Das Backup wird auf dem neuen Server wiederhergestellt.
Layer-3-Adoption
Für Geräte, die per DNS, DHCP Option 43 oder Layer-3-Befehl adoptiert wurden, etwa über VLANs oder das Internet.
Site Export
Für Sites von Cloud Key, Official UniFi Hosting oder einem UniFi OS Server mit Multi-Site-Verwaltung. Ubiquiti nennt ihn außerdem als manuellen Weg unter Linux.
Vorher: Vorbereitung und Backup
- Die neue Network Application auf den aktuellen Stand bringen.
- Ein Backup der bisherigen Installation erstellen (Network-Backup oder Site Export).
- SSH-Benutzername und Passwort der Geräte notieren (Devices → Device Updates & Settings → Device SSH Settings), falls sich ein Gerät später nicht verbindet.
- Alle anderen UniFi-Geräte bleiben zunächst wie bisher verbunden.
Methode 1: Network-Backup (.unf)
- In der alten Installation das Network-Backup (.unf) unter Settings → Control Plane → Backups herunterladen.
- UniFi OS Server fertig einrichten, die Geräte bleiben dabei verbunden.
- Das Backup auf dem neuen Server unter Settings → Control Plane → Backups einspielen.
- Warten, bis alle Geräte online sind. Danach die alte Installation herunterfahren oder die Geräte dort mit „Forget“ entfernen, damit sie sich nicht erneut verbinden.
- Erscheint ein Gerät offline oder als „Managed by Another Console“, zuerst die Layer-3-Adoption versuchen.
Methode 2: Layer-3-Adoption
- Backup wie bei Methode 1 erstellen und auf dem neuen Server wiederherstellen.
- In der ursprünglichen Network Application den Schalter „Override Inform Host“ aktivieren und die IP-Adresse des neuen Servers eintragen.
- Warten, bis alle Geräte in der neuen Installation online sind, dann die Geräte in der alten Installation mit „Forget“ entfernen und diese herunterfahren.
Alternativ lässt sich der Inform-Host pro Gerät per SSH setzen. Die IP-Adresse ist wieder unsere Beispieladresse:
set-inform http://192.168.10.10:8080/inform Methode 3: Site Export
- In der bisherigen Installation unter Network Settings → System → Site Management auf „Export Site“ klicken und die Site-Datei herunterladen.
- In der neuen Network Application im Site Switcher „Import Site“ wählen und die Datei hochladen. Ist der Site Switcher nicht sichtbar, zuerst „Multi-Site Management“ unter Settings → System → Site Management aktivieren.
- Im geführten Assistenten der alten Installation die Geräte auswählen und die Inform-URL (IP-Adresse des neuen Servers) eintragen.
- Die migrierten Geräte in der alten Installation mit „Forget“ entfernen und warten, bis alle online sind.
Wenn ein Gerät nicht online kommt
Nicht direkt einen Factory Reset durchführen. Zuerst Netzwerkverbindung, Inform-Adresse, DNS und Firewall prüfen und die Layer-3-Adoption versuchen. Erst wenn das scheitert, ist ein Zurücksetzen und erneutes Adoptieren des Geräts nötig.
NACH DER MIGRATION
Alles gründlich prüfen
Dass alle Geräte „Online“ anzeigen, reicht nicht. Diese Punkte sollten getestet sein, bevor der alte Host abgeschaltet wird:
NETZWERK & FIREWALL
Extern betreiben – und Ports beachten
Der Server muss nicht im selben Netzwerk wie die verwalteten Geräte stehen und kann auch im Rechenzentrum oder bei einem Hoster laufen. Dann sollten Netzwerkverbindung, Firewall-Regeln und Erreichbarkeit vor der Migration sorgfältig geplant werden. Für Geräte in anderen Netzen ist Layer-3-Adoption nötig.
Die vollständige Liste steht in der Required Ports Reference von Ubiquiti. Bei einer einfachen Installation im gleichen internen Netzwerk ist die Einrichtung entsprechend unkomplizierter.
UPDATES
Updates und Release Channel
Zentral im Site Manager
Der Update Manager zeigt Updates aller Installationen an. Größere Umgebungen sollten Updates trotzdem kontrolliert und mit Blick auf die Release Notes einspielen. Alternativ geht es direkt über die lokalen Control-Plane-Einstellungen.
Release Channel
Es gibt den offiziellen Kanal und Early Access. Vor der Migration prüfen, welchen Kanal die bestehende Umgebung nutzt, und den neuen Server passend einstellen: Settings → Control Plane → Updates.
Firmware prüfen
Immer kontrollieren, welche Geräte-Firmware tatsächlich angeboten wird. Ein niedrigerer Versionsstand ist kein normales Upgrade und sollte nicht ohne vorherige Prüfung installiert werden.
FAZIT
UniFi OS Server ist mehr als ein neuer Name
Wer UniFi Network selbst hosten möchte, bekommt eine deutlich stärker in das aktuelle UniFi-Ökosystem integrierte Plattform: mit Site Manager, Remote Management, Multi-Site-Verwaltung und zentraler Update-Verwaltung. Der Server muss dabei nicht am jeweiligen Standort stehen. Er kann zum Beispiel als KVM-VM im Rechenzentrum oder bei einem Hoster laufen.
Für eine kleine bis mittlere Umgebung reicht als Basis eine KVM-VM mit Debian 13, 2 vCPU, 4 GB RAM und 32 GB SSD. Wer bereits eine UniFi-Umgebung besitzt, muss nicht von vorne beginnen: Je nach Ausgangssystem wird die Konfiguration per Network-Backup oder Site Export übernommen, anschließend stellt man die Geräte auf den neuen Network Host um. UniFi Protect kann parallel auf einem vorhandenen Cloud Key weiterlaufen.
FAQ
Häufige Fragen zu UniFi OS Server
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