Weg von der Excel-Tabelle: Netzwerk-Doku mit NetBox
Zwei 24-Port-Patchfelder, zwei Switches, dokumentiert in LibreOffice – irgendwann wusste bei uns keiner mehr, welche Tabellenversion gerade stimmt. Statt eine eigene Lösung zu bauen, steigen wir auf NetBox um, ein etabliertes Open-Source-Tool für genau diesen Zweck.
Eigene Infrastruktur, Umstieg noch nicht abgeschlossen.
DAS PROBLEM
Warum die Tabelle irgendwann nicht mehr reicht
Eine Tabelle für Patchfeld-Belegung funktioniert eine Weile gut. Sobald mehrere Leute draufzugreifen oder sich an der Verkabelung etwas ändert, fängt das Problem erst richtig an.
Keine Versionierung
Wer hat zuletzt geändert, und ist das wirklich die aktuelle Version? In einer Tabelle lässt sich das kaum nachvollziehen.
Mehrere Hände am selben Dokument
Zwei Personen bearbeiten gleichzeitig, und eine Änderung überschreibt die andere, ohne dass es jemand merkt.
Schlecht mobil nutzbar
48 Zeilen auf dem Handy im Serverraum durchscrollen, um einen freien Port zu finden, ist kein Vergnügen.
Schnell veraltet
Wird kurzfristig umgesteckt und die Tabelle „später“ aktualisiert, ist die Doku von diesem Moment an falsch.
Was am Ende dabei herauskommt
Eine Doku, der niemand mehr ganz traut – und die im Zweifel vor Ort nachgeprüft wird, statt sich auf sie zu verlassen. Genau das will man bei einem Patchfeld nicht.
DIE LÖSUNG
NetBox statt Tabelle
NetBox ist ein Open-Source-Tool für Netzwerk- und Rechenzentrums-Infrastruktur (DCIM) zusammen mit IP-Adressverwaltung (IPAM). Racks, Geräte, Kabel, Ports, VLANs und IP-Adressen liegen dort in einer zusammenhängenden Datenbank statt in einzelnen Tabellenblättern.
Ein zusammenhängendes Datenmodell
Vom Rack zum Gerät zum Port navigieren und sofort sehen, welches Kabel wohin führt – ohne die passende Zeile in einer Tabelle zu suchen.
Protokollierte Änderungen
Jede Erstellung, Änderung und Löschung wird mit Nutzer und Zeitstempel festgehalten, zusammengefasst nach Vorgang.
REST-API
Daten automatisiert abfragen oder in andere Systeme einspeisen, etwa in Ansible-Playbooks oder eigene Skripte.
FUNKTIONEN IM DETAIL
Was NetBox mitbringt
Das Datenmodell steht direkt nach der Installation, ganz ohne eigenes Datenbank-Setup.
Die wichtigsten Bausteine im Überblick:
Zusätzliche Funktionen lassen sich über Plugins nachrüsten, etwa für DNS-Zonen oder BGP-Daten:
DCIM Racks, Geräte, Cable-Tracing IPAM Prefixe, IP-Adressen, VLANs, VRFs Vorlagen Jinja2-Konfigurationsvorlagen per API Erweiterbar Custom Fields, Tags, Plugins (DNS, BGP, Branching) Rechte Rollen pro Nutzer, Gruppe oder Tenant Change-Log jede Änderung inkl. Nutzer und Zeitstempel
Lizenz und Betrieb:
Lizenz Apache License 2.0, Quellcode frei einsehbar Betrieb selbst gehostet, keine Pflicht zu Cloud-Angeboten Optional NetBox Cloud / NetBox Enterprise (kommerziell)
EIGENE ERFAHRUNG
Der Zwischenstopp, den wir selbst gegangen sind
Bevor wir auf NetBox gestoßen sind, hatten wir überlegt, so etwas selbst zu bauen.
RackPlaner: unser eigener Versuch
Eine native Android-App in Kotlin, Projektname RackPlaner, gebaut auf unserer eigenen Entwicklerinstanz.
Was die App können sollte
Racks und Patchfelder dokumentieren, VLANs mit eigenen Farben verwalten, Suche über mehrere Racks hinweg.
Warum wir sie zurückgestellt haben
Alles, was wir uns vorgenommen hatten, gibt es in NetBox bereits fertig und seit Jahren von einer aktiven Community weiterentwickelt.
Nicht jedes Problem braucht eine Eigenentwicklung
Das RackPlaner-Projekt existiert weiterhin als Codebasis, wird aber aktuell nicht weiterverfolgt. Eine eigene App hätte an diesem Punkt nur nachgebaut, was es längst gibt – mit weniger Funktionen und ohne eine Community dahinter.
AKTUELLER STAND
Wo wir gerade stehen
Racks und Geräte angelegt
Für unsere eigene Infrastruktur – zwei 24-Port-Patchfelder und zwei Switches – steht die NetBox-Instanz, Racks und Geräte sind bereits erfasst.
Portbelegung in Übertragung
Die Patchfeld-Belegung wird gerade Port für Port aus der alten Tabelle übertragen. Schon jetzt lässt sich ein einzelner Port in Sekunden finden, statt eine Tabelle durchzuscrollen.
FAHRPLAN
Vom ersten Rack zur vollständigen Doku
So gehen wir den Umstieg Schritt für Schritt an.
NetBox-Instanz aufsetzen
Selbst gehostet, ohne zusätzliches Datenbank-Setup.
Standorte und Racks anlegen
Die physische Struktur im System nachbilden.
Geräte und Switches erfassen
Jedes Gerät im passenden Rack mit Modell und Rolle hinterlegen.
Patchfeld-Portbelegung übertragen
Jeden Port aus der alten Tabelle einzeln eintragen.
Kabelverbindungen verknüpfen
Cables zwischen Patchfeld- und Switch-Ports anlegen, inklusive Cable-Tracing.
IP-Adressen und VLANs eintragen
Prefixe und VLANs im IPAM-Teil hinterlegen.
Zugriffsrechte einrichten
Rollen vergeben, damit nicht jeder an der Verkabelung selbst etwas ändern kann.
FAZIT
Nicht jedes Werkzeug muss selbst gebaut werden
Wer Netzwerkinfrastruktur betreut, kommt an Kabeln, Switches und IP-Adressen nicht vorbei – ein eigenes Werkzeug dafür muss es aber nicht sein. NetBox deckt das meiste davon bereits ab, kostenlos und offen.
Bei uns ist der Umstieg noch nicht abgeschlossen. Sobald die Patchfeld-Doku komplett in NetBox liegt, berichten wir hier, wie es gelaufen ist.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt unsere eigene Infrastruktur, nicht ein abgeschlossenes Kundenprojekt. Details zu Ihrer eigenen Umgebung sollten Sie vorher prüfen.
FAQ
Häufige Fragen zu NetBox
QUELLEN
Quellen und Links
- GitHub-Repository: netbox-community/netbox (README, Datenmodell, Lizenz)
- NetBox Labs – Hersteller und Hauptentwickler von NetBox
Netzwerk-Infrastruktur dokumentieren oder NetBox einführen?
Ob Umstieg von einer bestehenden Tabelle, Ersteinrichtung oder laufende Betreuung Ihrer Netzwerk-Dokumentation – sprechen Sie uns an.


